Weil digitale Verfahren nicht nur die Aktenführung verändern, sondern auch die Art, wie in Einvernahmen und Verhandlungen gearbeitet wird. Digitale Akten, elektronische Beweismittel, Videokonferenzen oder Bild- und Tonaufzeichnungen müssen im Saal einfach, sicher und zuverlässig genutzt werden können. Dafür braucht es eine passende technische Infrastruktur – etwa Displays, Kameras, Mikrofone, Aufzeichnungstechnik und stabile Schnittstellen.
Ziel des Projekts ist es, Einvernahmeräume und Gerichtssäle so auszurüsten, dass digitales Arbeiten in der Praxis möglich wird. Dazu gehören insbesondere die Präsentation digitaler Akten und Beweismittel, Videokonferenzen, Bild- und Tonaufzeichnungen sowie eine möglichst einheitliche und benutzerfreundliche technische Ausstattung. Die Technik soll die Arbeit unterstützen und nicht verkomplizieren.
Digitale Säle ermöglichen effizientere Abläufe, weil Akten, Dokumente, Fotos, Videos oder andere Beweismittel direkt im Raum angezeigt und gemeinsam betrachtet werden können. Einvernahmen und Verhandlungen können bei Bedarf aufgezeichnet oder per Video durchgeführt werden. Das erhöht die Flexibilität, verbessert die Nachvollziehbarkeit und unterstützt eine moderne, medienbruchfreie Arbeitsweise.
Wir haben zuerst die fachlichen Bedürfnisse der verschiedenen Justizbehörden aufgenommen und daraus Anforderungen an die technische Ausstattung abgeleitet. Danach wurden geeignete Lösungen evaluiert und im Rahmen eines öffentlichen Beschaffungsverfahrens ein Anbieter ausgewählt. Wichtig war uns, nicht einfach Technik zu beschaffen, sondern eine praxistaugliche Gesamtlösung mit Betrieb, Support, Schulung und Weiterentwicklung aufzubauen.
Das Projekt läuft seit Herbst 2024 im Rahmen des Digitalisierungsprogramms DJ28. Nach der Konzept- und Beschaffungsphase wurden erste Pilotstandorte umgesetzt und in Betrieb genommen. Die vollständige Umsetzung erfolgt schrittweise, weil verschiedene Standorte, Raumtypen und Bedürfnisse berücksichtigt werden müssen. Angedacht ist, das Projekt spätestens 2028 abschliessen zu können.
Aus unserer Sicht ist zentral, früh die Praxis einzubeziehen und nicht nur aus technischer Sicht zu planen. Die beste Lösung ist nicht zwingend diejenige mit den meisten Funktionen, sondern diejenige, die im Alltag zuverlässig funktioniert und von den Mitarbeitenden akzeptiert wird.
Das Kernteam ist mit vier Personen bewusst schlank gehalten. Es besteht aus Personen mit fachlichem Projektwissen, IT- und Technik-Know-how sowie Vertretungen aus der Praxis. Wichtig ist zudem die enge Zusammenarbeit mit den betroffenen Gerichten, der Staatsanwaltschaft, dem Justizvollzug, der Informatik und dem externen Anbieter. So stellen wir sicher, dass technische, organisatorische und fachliche Aspekte zusammengeführt werden.
Eine grosse Herausforderung ist die Vielfalt der Räume und Nutzungsarten. Ein Einvernahmeraum stellt andere Anforderungen als ein Gerichtssaal. Zudem werden gewisse Räume auch für alltägliche Meetings genutzt. Gleichzeitig muss die Lösung möglichst einheitlich, sicher und einfach bedienbar sein. Weitere Herausforderungen sind Datenschutz, Informationssicherheit, Verfügbarkeit, Support, Akzeptanz bei den Mitarbeitenden und die Integration in bestehende und künftige digitale Arbeitsprozesse.
Wir setzen auf Schulungen, praktische Einführungen und einfache Hilfsmittel wie Guidelines oder Checklisten. Besonders wichtig ist, dass die Mitarbeitenden die Technik nicht nur theoretisch erklärt bekommen, sondern sie in realistischen Situationen ausprobieren können. Zudem sammeln wir Feedback aus den Pilotstandorten und verbessern die Lösung sowie die Unterstützungsangebote laufend.
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