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12.08.2026
Luzern
Pilotvorstellung
Projektorganisation
Initialisierung

Wenn Einvernahmeräume und Gerichtssäle digital werden: Technik, die den Justizalltag unterstützt

Die Digitalisierung der Justiz endet nicht bei der elektronischen Aktenführung. Auch Einvernahmeräume und Gerichtssäle müssen für den digitalen Arbeitsalltag fit gemacht werden. Im Rahmen des Luzerner Digitalisierungsprogramms DJ28 sorgt das Projekt «Multimediale Einvernahmeräume und Gerichtssäle» (MEG) für die passende technische Infrastruktur. Projektleiter Guido Meyer spricht über Ziele, Herausforderungen und Erfahrungen aus der Umsetzung – und erklärt, warum bei der Digitalisierung vor allem eines zählt: Die Technik muss im Alltag zuverlässig und einfach funktionieren.

Digitalisierung bedeutet nicht einfach, nicht mehr mit Papier zu arbeiten. Digitalisierung hat auch Implikationen auf die Ausstattung von Einvernahme- und Gerichtssälen, wieso?

Weil digitale Verfahren nicht nur die Aktenführung verändern, sondern auch die Art, wie in Einvernahmen und Verhandlungen gearbeitet wird. Digitale Akten, elektronische Beweismittel, Videokonferenzen oder Bild- und Tonaufzeichnungen müssen im Saal einfach, sicher und zuverlässig genutzt werden können. Dafür braucht es eine passende technische Infrastruktur – etwa Displays, Kameras, Mikrofone, Aufzeichnungstechnik und stabile Schnittstellen.

Das Luzerner Digitalisierungsprogramm DJ2028 hat deshalb ein Projekt speziell für die Ausrüstung der Säle eingesetzt. Welches sind die Ziele dieses Projekts?

Ziel des Projekts ist es, Einvernahmeräume und Gerichtssäle so auszurüsten, dass digitales Arbeiten in der Praxis möglich wird. Dazu gehören insbesondere die Präsentation digitaler Akten und Beweismittel, Videokonferenzen, Bild- und Tonaufzeichnungen sowie eine möglichst einheitliche und benutzerfreundliche technische Ausstattung. Die Technik soll die Arbeit unterstützen und nicht verkomplizieren.

Welches sind die Vorteile eines digitalen Einvernahme-/Gerichtssaals?

Digitale Säle ermöglichen effizientere Abläufe, weil Akten, Dokumente, Fotos, Videos oder andere Beweismittel direkt im Raum angezeigt und gemeinsam betrachtet werden können. Einvernahmen und Verhandlungen können bei Bedarf aufgezeichnet oder per Video durchgeführt werden. Das erhöht die Flexibilität, verbessert die Nachvollziehbarkeit und unterstützt eine moderne, medienbruchfreie Arbeitsweise.

Wie seid ihr vorgegangen, um die Ziele zu erreichen?

Wir haben zuerst die fachlichen Bedürfnisse der verschiedenen Justizbehörden aufgenommen und daraus Anforderungen an die technische Ausstattung abgeleitet. Danach wurden geeignete Lösungen evaluiert und im Rahmen eines öffentlichen Beschaffungsverfahrens ein Anbieter ausgewählt. Wichtig war uns, nicht einfach Technik zu beschaffen, sondern eine praxistaugliche Gesamtlösung mit Betrieb, Support, Schulung und Weiterentwicklung aufzubauen.

Seit wann läuft das Projekt und wie viel Zeit braucht ihr insgesamt für die Umsetzung?

Das Projekt läuft seit Herbst 2024 im Rahmen des Digitalisierungsprogramms DJ28. Nach der Konzept- und Beschaffungsphase wurden erste Pilotstandorte umgesetzt und in Betrieb genommen. Die vollständige Umsetzung erfolgt schrittweise, weil verschiedene Standorte, Raumtypen und Bedürfnisse berücksichtigt werden müssen. Angedacht ist, das Projekt spätestens 2028 abschliessen zu können.

Aus unserer Sicht ist zentral, früh die Praxis einzubeziehen und nicht nur aus technischer Sicht zu planen. Die beste Lösung ist nicht zwingend diejenige mit den meisten Funktionen, sondern diejenige, die im Alltag zuverlässig funktioniert und von den Mitarbeitenden akzeptiert wird.

Guido Meyer, Projektleiter Digitalisierung

Wie gross ist das MEG-Team und aus welchen Personen besteht das Team?

Das Kernteam ist mit vier Personen bewusst schlank gehalten. Es besteht aus Personen mit fachlichem Projektwissen, IT- und Technik-Know-how sowie Vertretungen aus der Praxis. Wichtig ist zudem die enge Zusammenarbeit mit den betroffenen Gerichten, der Staatsanwaltschaft, dem Justizvollzug, der Informatik und dem externen Anbieter. So stellen wir sicher, dass technische, organisatorische und fachliche Aspekte zusammengeführt werden.

Wo liegen die Herausforderungen?

Eine grosse Herausforderung ist die Vielfalt der Räume und Nutzungsarten. Ein Einvernahmeraum stellt andere Anforderungen als ein Gerichtssaal. Zudem werden gewisse Räume auch für alltägliche Meetings genutzt. Gleichzeitig muss die Lösung möglichst einheitlich, sicher und einfach bedienbar sein. Weitere Herausforderungen sind Datenschutz, Informationssicherheit, Verfügbarkeit, Support, Akzeptanz bei den Mitarbeitenden und die Integration in bestehende und künftige digitale Arbeitsprozesse.

Wie macht ihr die Mitarbeitenden mit den neuen Arbeitsinstrumenten in den Einvernahmeräumen und Gerichtssälen vertraut?

Wir setzen auf Schulungen, praktische Einführungen und einfache Hilfsmittel wie Guidelines oder Checklisten. Besonders wichtig ist, dass die Mitarbeitenden die Technik nicht nur theoretisch erklärt bekommen, sondern sie in realistischen Situationen ausprobieren können. Zudem sammeln wir Feedback aus den Pilotstandorten und verbessern die Lösung sowie die Unterstützungsangebote laufend.

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