Zurück zur Übersicht
29.06.2026
Bundesprojekte
Initialisierung
Pilotvorstellung

Bundesverwaltungsgericht: JAA als Ersatz für die Papierdossiers

Das Bundesverwaltungsgericht (BVGer) strebt die vollständige Digitalisierung ihrer Akten und medienbruchfreie Arbeitsprozesse an. Mit der Pilotierung der Justizakte-Applikation (JAA) wird ein wichtiger Schritt gemacht. Angespornt wird das Gericht von internem Leidensdruck und dem Wunsch nach zeitgemässen Arbeitsinstrumenten. Die Herausforderungen sind gemäss der Generalsekretärin Sara Szabo vielfältig.

Moderne Tools zur Bewältigung zunehmender Arbeit

Der treibende Faktor hinter dem hohen Digitalisierungstempo ist der spürbare Druck im Arbeitsalltag. Das hohe Arbeitsvolumen verlange nach zeitgemässen Werkzeugen, meint die Generalsekretärin Sara Szabo im Gespräch. Da digitale Abläufe im Privatleben längst Standard seien, erzeugten veraltete IT-Systeme im anspruchsvollen Gerichtsalltag nur zusätzlichen Aufwand. Die neuen digitalen Arbeitsinstrumente sollen ein attraktives, ortsunabhängiges Arbeitsumfeld schaffen. So will das Bundesverwaltungsgericht auch als Arbeitgeberin attraktiv bleiben.

Der interne Leidensdruck ist hoch genug, um die Digitalisierung zügig voranzutreiben. Unsere Richterinnen, Richter und Gerichtsschreibende wünschen sich moderne Arbeitsinstrumente.

Sara Szabo, Generalsekretärin

Das Ende der Papierakte

Bisher bewegte sich das BVGer gemäss Sara Szabo in einer hybriden Arbeitswelt: Die Fachapplikation steuerte zwar die Verfahrensführung digital, die rechtlich massgebende Akte blieb jedoch physisch. Für die vollständige Digitalisierung des Rechtsverkehrs fehlte somit die elektronische Justizakte. Die Wahl fiel bewusst auf die Justizakte-Applikation (JAA) – ein in Österreich erprobtes, optimiertes System, das die für das Bundesverwaltungsgericht zentrale Dreisprachigkeit unterstützt.

Pilotierung von JAA, Plattform und Fachapplikation

Die hohe Komplexität der Pilotierung ist der Tatsache geschuldet, dass das Bundesverwaltungsgericht Justizakte-Applikation, Fachapplikation und Plattform justitia.swiss gleichzeitig pilotiert und einführen möchte. Dank der Schnittstellen zwischen den Systemen wird es so möglich sein, medienbruchfrei zu arbeiten. Ziele der Pilotierungen sind gemäss Sara Szabo, dass sich die am Piloten mitwirkenden Richter/innen und Mitarbeitenden frühzeitig mit den neuen Arbeitsinstrumenten auseinandersetzen sowie Feedbacks zur Weiterentwicklung der Applikationen geben können.

Herausforderung Change Management

Die Transformation bringt gemäss Sara Szabo grosse Herausforderungen mit sich. Es gilt, die Belegschaft im Change-Management mitzunehmen. "Wir kommunizieren über den Projektstand fortlaufend und transparent auf verschiedenen Kanälen (Newsletter, Intranet, persönlich). Weiter machen wir die Betroffenen zu Beteiligten, indem sie in die Pilotierung eingebunden werden."

Wir müssen die Veränderungen im richtigen Takt vorantreiben, so dass wir zum einen die Menschen nicht überfordern oder verlieren und zum anderen den fortlaufenden Betrieb sicherstellen.

Sara Szabo, Generalsekretärin

Der Fahrplan bis 2026

Die Pilotierung der JAA läuft bereits erfolgreich in mehreren Abteilungen und wird schrittweise ausgebaut. "Bis Ende 2026 möchten wir einige Verfahren von Anfang bis Ende voll digital durchgeführt haben: mit der Plattform justitia.swiss, der JAA und der neuen Fachapplikation", erklärt Sara Szabo.

Sara Szabo ist seit Ende 2023 Generalsekretärin des Bundesverwaltungsgerichts. Die studierte Ökonomin verfügt über einen MAS Digitale Transformation der ZHAW School of Management and Law. Vor ihrer Zeit am Bundesverwaltungsgericht hat Sara Szabo in einem Spital, bei einem Bundesamt, in einem Technologie-Unternehmen und in einer diplomatischen Vertretung gearbeitet.

Zurück zur Übersicht